Frank Bauer 

(Vizepräsident Fairplay Modelberufsverband)

Ressort: Öffentliche Stellungnahmen


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Stellungnahme zum sex. Missbrauch in der Modelbranche (Juni 2020/Frank Bauer):


Damit der Model-Alltag nicht zum Worst Case wird


Die Meldungen über Vorfälle in der katholischen Kirche oder den Filmproduktionen in Hollywood haben uns erschüttert. Und jüngst überschatten sie auch das Modelbusiness: die Rede ist von sexuellen Übergriffen.

Die neusten Berichte lassen vermuten, dass gewisse organisationale oder systembedingte Strukturen auch hier ein solches Verhalten erleichtern: Meist handelt es sich um geschlossene Systeme oder intransparent arbeitende Akteure, wodurch der Blick nach innen verwehrt bleibt. Ein geschlossenes System gewissermassen. So agieren z.B. die in den Schilderungen der Opfer genannten Fotografen hinter verschlossenen Türen – also vollkommen isoliert.


Die Models, vor allem Newcomer, vertrauen sich ihren Bookern, Managern oder Fotografen an, wobei sie die Hoffnung auf eine schnelle Karriere hegen. Schliesslich sind sie Experten auf ihrem Gebiet, die professionell arbeiten, denk man. Doch an eben dieser Professionalität mangelt es, wenn ein Model Belästigung oder Übergriffe erfahren muss. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Frauen- oder Männermodel handelt: aus beiden Gruppen liegen Berichte von Opfern sexueller Gewalt vor. Leider werden Meldungen und Beschwerden darüber allzu oft verharmlost oder als Übertreibungen interpretiert. Ein fataler Fehler, denn jede sexuelle Belästigung – dabei handelt es sich noch nicht um die schwere Form eines Missbrauchs – ist eine eindeutige Überschreitung der Grenzen und eine Missachtung der individuellen Integrität der anderen Person.


Der Berufsverband für Models Fairplay fordert daher, jede Meldung oder jeglichen Verdacht auf sexuelle Belästigung in jedem Fall als Warnung zu verstehen und umgehend nachzugehen.

Als Präventionsmassnahme hat der Verband einen Verhaltenskodex für Modelagenturen entwickelt. Dieser gilt in der Branche als Qualitätskriterium für seriöses und faires Arbeiten im Modelmanagement und definiert in seinen zehn Richtlinien verantwortungsvolles und ethisches Handeln. „Damit versteht sich der Kodex als Schutzkonzept für die Alltagspraxis der Modebranche“, erklärt Nicole Jarchow, Präsidentin des Modelberufsverbandes Fairplay. Der Verband fordere schon seit längerem konkrete Präventions- und Schutzmassnahmen von den Agenturen. Dazu zähle, dass jede und jeder seriös arbeitende Verantwortliche in der Branche um ein Minimum an Transparenz und ein Mitspracherecht seiner Models bemüht sei, so Jarchow.

Und Fairplay geht noch einen Schritt weiter: Modelmanager können mit dem Berufsverband zusammenarbeiten und sich freiwillig durch ein Fairness-Label auszeichnen lassen. Somit erhalten Branchenfremde eine Orientierungshilfe über vertrauenswürdige Modelagenturen.


Konkret fordert Fairplay die Vermeidung von Einzelsettings zum Schutz der Models. So sollte zum Beispiel ein Produktionsteam aus mindestens drei Personen unterschiedlichen Geschlechts bestehen. Das heisst, es sollte wenigstens eine Frau – beispielsweise eine Assistentin – dabei sein. Models sollten nie mit einem Produzenten, Auftraggeber oder Fotografen allein arbeiten müssen, um eine Zweierkonstellation zu vermeiden. (fb)


 



Stellungnahme zum Artikel aus der Süddeutsche

vom 13. Juni 2013"Sie ist unter 18 und sie sieht gut aus"

 

Viele Models sind noch Kinder, werden aber als Erwachsene inszeniert - und arbeiten unter denselben harten Bedingungen: Der Bundesstaat New York hat ein Gesetz verabschiedet, das jungen Models die gleichen Rechte gibt wie Kinderschauspielern. Es könnte die Modeindustrie verändern.

 

Stellungnahme: Der Berufsverband für Models " Barfuss" befürwortet die Gesetzesänderung des Parlaments und Senat des US Bundesstaats, dass Models unter 18 Jahren zu besseren Bedingungen arbeiten und mehr Schutz erhalten. 
Jedoch bleibt abzuwarten, ob sich Auftraggeber durch teure und aufwendigere Fotoproduktionen aufhalten lassen, minderjährige Models zu buchen.  

 

Nicole Jarchow, Geschäftsführende Präsidentin vom Berufsverband für Models erklärt, dass auch auf dem deutschsprachigen Modelmarkt, kaum Hinweise zur Altersangabe auf den Model-Sedcards zu finden sind. Ein Umdenken könnte geschaffen werden, indem schon im ersten Castingprozess, der Kunde über die Minderjährigkeit bzw. Volljährigkeit informiert wird. Hier wären Modelagenten gefordert, die Modelangaben auf den Sedcards durch das Alter zu ergänzen.

 

http://www.sueddeutsche.de/stil/schutz-minderjaehriger-models-sie-ist-unter-und-sie-sieht-gut-aus-1.1694887





Stellungnahme 20 Minuten

 

Ein Zittern geht durch die Modewelt! Und das ist gut so. An die Schlagzeilen über Anorexie, und Magermodels haben wir uns ...schon fast gewöhnt. Diese Nachrichten plätschern dahin, ohne uns kaum zu berühren. Denn es ist so alltäglich: auf Plakaten, in Zeitungen, Magazinen und im TV sehen wir Models, die dünn oder schon anorektisch sind. Glamour hat schliesslich seinen Preis. 


Wach werden wir erst, wenn wir vom „Tod auf dem Laufsteg“ (Die Welt 02/2007) oder „Tod des Armani-Mädchens“ (Süddeutsche 05/2010) lesen. Noch bevor das nächste Model zusammenbricht, will Frankreich gesetzlich einen Mindest-BMI einführen.

Wir als Berufsverband für Models begrüssen diese Initiative. Denn in der Modewelt herrscht noch immer der Schlankheitswahn vor. Und auch das: Die Branche ist sich dessen bewusst. Die Konsumenten auch. Viel zu selten gibt es Mechanismen, diesem Missstand entgegenzuwirken.

Doch ein Mindest-BMI für Models wird seit Jahren gefordert. So formulierte die US-amerikanische Academy for Eating Disorders (AED) bereits 2007 Richtlinien für Model-Agenturen und die Modeindustrie. Darin verlangt sie die Einführung einer Untergrenze beim Body Mass Index von 18.5 – sowohl für Frauen als auch für Männer.

 Sechs Jahre später, im Januar 2013, verabschiedet Israel als erstes Land überhaupt ein Gesetzt, das Magermodels vom Laufsteg verbannt. Nicht ohne tragischen Hintergrund: das israelische Model Hila Elmalich starb 34-jährig mit nur 27 Kilogramm – unterernährt.

Auch setzen wir uns seit fast fünf Jahren für Models mit Präventions- und Aufklärungsarbeit für mehr Schutz und Sicherheit im Modelbusiness ein. So hat "Barfuss" Richtlinien definiert, die für Models ein Mindestalter und einen Mindest-BMI von 18.5 empfehlen. Jener Body Mass Index, der von der Weltgesundheitsorganisation als Grenze zum Untergewicht gilt. Doch gibt Nicole Jarchow, Präsidentin des Berufsverbandes, zu bedenken, dass Untergewicht nicht mit Unterernährung gleichgesetzt werden könne. Denn es gäbe Menschen mit einer biologischen Veranlagung dazu, sehr schlank zu sein. Gleichwohl stehen wir als Verband zu unseren Richtlinien und dazu, dass die Modeltätigkeit auf hohem ethischen Niveau zum Einsatz kommt. Frankreich setze hier ein wichtiges Zeichen, so Jarchow. Ein Zeichen, dem sich andere Länder anschliessen und die Fashionindustrie zum verantwortungsvollen Handeln anregen sollte. (fb) 



Stellungnahme zum Artikel „Neue Regeln gegen Magermodels“ in „20 Minuten vom 07.09.2017

September 2017/Frank Bauer

 

Ein Zeichen geht durch die Modewelt! – Endlich!

Mit ihrer Vereinbarung, keine Magermodels (Konfektionsgrösse 32) mehr für sie arbeiten lassen zu wollen, setzen die beiden französischen Branchenführer für Mode und Luxusgüter LVMA (Moët Hennessy Louis Vuitton SE) und Kering ein eindeutiges Zeichen. Diese Entscheidung begrüssen wir als Berufsverband für Models, der sich für faire Bedingungen im Modelgewerbe einsetzt.

 

Denn viel zu oft werden Models bei ihrem Beruf auf ihr Äusseres reduziert und als Ware betrachtet. Ein Vorgehen, das schon lang nicht mehr zeitgemäss ist. Die mageren Models, die schon fast „wandelnden Kleiderständern“ ähneln, wie sich einmal ein Zürcher Modedesigner ausdrückte, gehören leider noch immer zum gewohnten Bild im Modebusiness. Um so wichtiger ist es, dass ein klares Statement zum Umdenken vonseiten der Modeindustrie ausgesprochen wird – als gutes Beispiel – das schon längst überfällig ist.

Der Berufsverband „Fairplay“ hat während seines siebenjährigen Bestehens Richtlinien definiert, die ein faires und seriöses Verhalten von Modelagenturen beschreibt. „Damit können Agenturen herausgefiltert werden, die keine seriöse Zusammenarbeit mit ihren Models pflegen. Jene Agenturen, die diese Richtlinien leben, können sich für ein Gütesiegel unseres Verbandes bewerben.“ Gibt Nicole Jarchow, öffentlich in der Stellungnahme bekannt.

Neben der Einführung eines Mindest-Body-Mass-Index für Models, der einem Schlankheitswahn vorbeugen würde, fordern wir, dass das Alter auf der Sedcard korrekt angegeben wird. Und appellieren an Auftraggeber, die Buchung von minderjährigen Models zu unterlassen. Letzteres steht nicht im Kontext zur kindlichen Entwicklung und den dadurch angeboten Produkten.

Im Namen unseres Verbandes sage ich ein grosses Dankeschön nach Frankreich, mit dem wir die Hoffnung verbinden, dass diese Philosophie weltweit Befürworter findet. – Zum Wohle der Models, zum Wohle des Menschen.

 


Stellungnahme zum Bericht aus der Tagesshow vom 14.01.2014 


Der Bericht in der Tagesschau vom 14.01.2014 „Ohne Selbstausbeuter keine Show“ über die Berliner Fashion-Week macht deutlich, dass es Menschen gibt, die für Ihre Passion auf ein angemessenes Honorar verzichten.


Das ist bei Models nicht anders. Sie sehen die Modeltätigkeit auf der Berliner Fashion-Week nicht als Job mit Verdienstmöglichkeit, sondern als ein Event, bei dem man nicht fehlen darf.

Nach dem Motto“ Mittendrin, statt nur dabei“.

 

Darüber hinaus werden Möglichkeiten geboten, erste Erfahrungen als Catwalk-Model oder Showroom-Model zu sammeln.

Die Catwalktrainings, die durch etablierte Modelcoaches durchgeführt werden, sind Goldwert.

Und auch sonst erhält das Model Einblick in verschiedenen Berufsgruppen. Gerade für junge Menschen, kann es hilfreich sein, wenn sie sich noch in der beruflichen Orientierungsphase befinden. Sie lernen interessante Menschen kennen, können Kontakte aufbauen und der Karriere nachhelfen.

 

Jedoch sollte in dem Karriereverlauf des Models die Wende kommen. Das heisst, den Punkt  erkennen, ob man noch zu den New Faces gehört oder es geschafft hat, sich als Qualifiziertes Berufsmodel mit wertvollen Fachkompetenzen zu etablieren. Ist das der Fall, so werden angemessene Gagen fällig. 

Als Berufsverband für Models appellieren wir an Berufsmodels, sich nicht unter ihrem Wert zu verkaufen und bezüglich Gagen standhaft zu bleiben. 

 

Der Tipp vom Berufsverband der Models:  Auch wenn für ein Newcomer Model keine Gage gezahlt wird, so sollte zumindest eine Aufwandsentschädigung mit dem Auftraggeber vereinbart werden.

Der Berufsverband für Models gibt Auskunft über Qualifizierung und Gagen. (NJ)


http://www.tagesschau.de/inland/berlin-fashion-week100.html




Stellungnahme zum Artikel des Beobachters "Ein Traum auf dünnen Beinen"


In der Ausgabe Nr. 15 vom 22. Juli 2011 beleuchtet der Beobachter kritisch das Modelbusiness. Die Ergebnisse der Recherchen belegen, mit welchen Problemen die Branche resp. die Models zu kämpfen haben. Der Modelberufsverband fühlt sich in seiner Arbeit und der Zielsetzung erneut bestätigt. In einem Interview konnte die Präsidentin Nicole Jarchow Stellung beziehen.


 http://www.beobachter.ch/arbeit-bildung/artikel/modelberuf_ein-traum-auf-duennen-beinen/